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Prof. von Hirschhausen

Freitag, 18.12.2009

 

Fachschaftsteam: Hallo, Herr Professor von Hirschhausen, und vielen Dank, dass Sie sich heute Zeit für uns genommen haben. Sie sind ja nun seit einem halben Jahr (10. Juni 2009) Vorsitzender der GKWi. Wasbeschäftigt Sie zurzeit beruflich?

v. Hirschhausen: Die wesentliche Aufgabe zurzeit ist die Bestätigung der Akkreditierung und alles was damit im Zusammenhang steht: insbesondere das Modulhandbuch und die Aktualisierung der Studien- und Prüfungsordnung. Zum Zweiten geht es darum, die Serviceleistungen für Wirtschaftsingenieure zu verbessern, die gut, aber nicht sehr gut sind. Zum Dritten geht es um die strategische Positionierung des Wirtschaftsingenieurwesens an der TU, und zwar sowohl im Bachelor als auch im Master.

Fachschaftsteam: Was ändert sich durch das neue GKWI Servicecenter für die Studierenden?

v. Hirschhausen: Eine Anlaufstelle, die eine Vielzahl von Tätigkeiten, wie zum Beispiel Praktikumsangelegenheiten, Anerkennungsfragen, Informationen zu Studienverlauf etc., synergetisch bearbeiten kann. Früher waren die Bereiche sehr stark differenziert, und wir haben sie jetzt zusammengelegt, weil wir glauben, dass es da Synergie-Effekte gibt. Das Servicecenter ist im dritten Stock angesiedelt, die frühere räumliche Trennung zwischen unterschiedlichen Büros ist aufgehoben worden, und wir erhoffen uns dadurch Effekte sowohl bei der Erstellung auf der Angebotsseite, als auch beim Nutzen für die Studenten. Wir hoffen, dass damit auch die Schlangen, die mich persönlich immer nerven wenn ich da vorbeigehe, eines Tages der Vergangenheit angehören werden.

Fachschaftsteam: Was ist Ihre Vision für die GKWI und den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen in den kommenden Jahren?

v. Hirschhausen: Es ist schon viel erreicht, wenn wir im deutschen Wettbewerb der Technischen Universitäten, die den Wiing anbieten wieder zu den führenden Universitäten gehören. Einerseits haben wir hier in Berlin gute Bedingungen, weil wir in der Hauptstadt sind und es ein sehr gutes, eingeführtes Wirtschaftsingenieurwesen gibt. Andererseits muss man auch objektiv sehen, dass andere TUs -und zwar insbesondere im süddeutschen Bereich- in den letzten Jahren ein sehr gutes Angebot entwickelt haben.

Fachschaftsteam: Viele Bachelor WiIngs haben die Angst, nächstes Jahr keinen Masterplatz an der TU Berlin zu bekommen. Was möchten Sie diesen Studenten sagen?

v. Hirschhausen: Denen kann ich nur sagen, was ich jedem Studenten sage: Aktiv zu studieren, sich für diejenigen Bereiche besonders einzusetzen, auch inhaltlicher Art, für die man Interesse hat und wo man denkt: das ist genau das, was mir Spaß macht und wo ich gut bin, und sich auch außercurricular zu engagieren zum Beispiel im Fachschaftsteam oder im VWI (Verband der Wirtschaftsingenieure) oder in beiden. Der Rest ergibt sich dann. Wir sind nicht in der Situation, dass wir heute sagen können, wer in den Master kommt, und wer nicht. Wir arbeiten an der Überarbeitung der Zulassungsordnung. Wir wollen, dass der Master mit guten Studenten von der TU besetzt ist, aber natürlich auch offen ist für andere in- und ausländische Studenten. Es liegt in der Natur der Dinge, dass nicht alle Absolventen eines Bachelorstudienganges auch einen Master machen wollen oder können. Sie müssen es auch nicht immer an dem Ort machen, an dem sie ihren Bachelor gemacht haben, das ist normal. Andererseits zeigt die Erfahrung aus dem Diplom, dass die Kontinuität zwischen dem, was früher Grund- und Hauptstudium war, ein wichtiger Erfolgsfaktor ist bei den Absolventen, und deshalb werden wir versuchen, hier möglichst gute Bedingungen für die TU Bachelorstudenten zu schaffen.

Fachschaftsteam: Dieses Jahr wurden die ersten Masterstudenten aufgenommen, wie lief die Zulassung?

v. Hirschhausen: Die Zulassung zum WS 09/10 und zum SS 10 läuft bzw. lief etwas außerhalb der zu erwarteten Praxis, da es sich um eine Zwischengeneration handelt. Wir hatten naturgemäß keine bzw. sehr wenige Bewerber aus dem Wiing Bachelor der TU, da die ja eigentlich noch nicht so weit sind, wir hatten wenige Quereinsteiger aus anderen Studienrichtungen, und von daher sind es überwiegend neue Studenten gewesen, die zu uns gekommen sind, und über die wir uns natürlich auch freuen. Die Situation wird sich allerdings zum WS 10/11 radikal ändern.

Fachschaftsteam: Kann man schon etwas dazu sagen woher die Masterbewerber mehrheitlich kommen, eher von den TU9, von Fachhochschulen oder aus dem Ausland?

v. Hirschhausen: Da gibt es noch keine Erwartungswerte. Wir erwarten uns natürlich dadurch, dass die TU Berlin Hauptstadt-Universität ist einen komparativen Vorteil gegenüber anderen Unis, aber es gibt noch keine Abschätzung darüber, von welchen Unis die Masterstudenten kommen werden. Ein Ziel unserer Tätigkeiten besteht auch darin, den Anteil ausländischer Studierender zu erhöhen. Wir sind aktiv in der Etablierung von Doppelmasterabkommen bzw. Austauschabkommen im Allgemeinen. Die GK hat gerade ein Doppelmasterabkommen mit der Tongji-Universität unterzeichnet, an dem insbesondere Professor Trommsdorff sehr intensiv gearbeitet hat. Wir haben weitere Verhandlungen mit Korea, den USA, Frankreich etc. am Laufen, so dass einerseits ausländische Studierende in den Master kommen, andererseits der Master für unsere Studenten noch attraktiver wird.

Fachschaftsteam: Nach derzeitiger Planung ist ab dem Jahr 2011 ein sogenannter Aufwuchs im Bachelor- und Masterstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen vorgesehen, also eine Steigerung der angebotenen Studienplätze für Erstsemester. Es stehen Zahlen von ca. 400 zusätzlichen Studienplätzen im Raum, wobei die Universität für jeden zusätzlich zugelassen Studenten besondere finanzielle Mittel bekommen soll. Häufig hört man jedoch die Sorge, dass gerade in technischen Studiengängen diese Mittel überhaupt nicht ausreichen um die zusätzlich benötigten Kapazitäten bei Laborplätzen oder technischer Ausrüstung zu schaffen. Kommen in Zukunft auf Studienanfänger noch größere Kapazitätsprobleme zu?

v. Hirschhausen: Im Land Berlin soll nach Maßgabe des Bildungssenators ähnlich wie in anderen Bundesländern die Anzahl der Studienplätze insgesamt erhöht werden, wobei bestimmte Studiengänge besonders gefördert werden sollen. Im Wirtschaftsingenieurwesen hier bei uns an der TU haben wir ja die sehr erfreuliche Situation, dass wir eine sehr große Nachfrage haben, die höchstwahrscheinlich auch noch weiter steigen wird. Insofern stehen wir der Anfrage der Senatsverwaltung und der Universitätsleitung grundsätzlich positiv gegenüber. 
Natürlich ist die Kostenstruktur unterschiedlicher Fakultäten oder unterschiedlicher Fachgebiete sehr unterschiedlich. In einer Rechtsveranstaltung hat man beispielsweise grundsätzlich ganz andere inkrementale Kosten als beispielsweise in einem Elektrotechnik Labor, bei dem die Anzahl der Plätze natürlich limitiert ist. Daher werden Gespräche über die Struktur zu führen sein mit den unterschiedlichen Fachgebieten und Fakultäten. Ich denke aber, dass wir an der TU durchaus noch Luft haben, diesen Aufwuchs im Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen  in einer noch festzulegenden Form mitzugestalten.

Fachschaftsteam: Aktuell (Stand: Juli 2009) sind noch ca. 1600 Studenten im Diplomstudiengang und ca. 840 Studenten im Bachelorstudiengang Wirtschaftsingenieurwesen eingeschrieben. Nach längerer Zeit soll ja bald die Studien- und Prüfungsordnung des Diplomstudiengangs Wirtschaftsingenieurwesen wieder überarbeitet werden. Manche Studenten, die noch nach Regelstudienzeit im Diplomstudiengang studieren fühlen sich jedoch zurzeit etwas im Stich gelassen, da zahlreiche Module im Hauptstudium nicht mehr angeboten werden, was die Wahlmöglichkeiten sehr stark einschränkt und auch die Modulbeschreibungen im Studienführer nicht mehr aktuell sind. Was können Sie diesen Studenten sagen?

v. Hirschhausen: Wir versuchen natürlich, den Übergang möglichst gleitend zu gestalten. Die Diplomanden sind bis jetzt noch ein sehr wichtiger Bestandteil der Studenten und werden dies natürlich auch noch eine Weile bleiben. Der Übergang gestaltet sich jedoch etwas länger als ursprünglich von uns erhofft, da wir noch einige Semester den Parallelbetrieb zwischen Diplom und Bachelor/Master haben werden. Ansonsten kann ich nur jedem Studenten raten, der sich im Diplom nicht richtig behandelt fühlt, die entsprechenden Ansprechpartner anzusprechen, oder sich zu beschweren. Sowohl beim Fachgebiet, dass sein Lehrangebot umgestellt hat, als auch bei uns, damit wir zusehen können, dass wir Prüfungsmodalitäten und ähnliches noch so gestalten können, wie es bisher war. Mir selbst sind auch einige Fälle bekannt, in denen wir solche Probleme relativ unbürokratisch haben lösen können. Von daher freuen wir uns auch, dass wir noch so viele Diplomstudenten haben, weil das in der Regel gute Studenten sind.

Fachschaftsteam: Sie sind ja nun seit 1982 an dieser Universität, was sind Punkte, die die TU Berlin als Gesamtes Ihrer Meinung nach auszeichnet?

v. Hirschhausen: Die TU Berlin versteht es aus meiner Sicht sehr gut, die Verzahnung von Technik und Wirtschaft – auch über den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen hinaus – umzusetzen. Dies zeigt sich unter anderem in den Angeboten zur Unterstützung von Unternehmensgründungen und der interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen technischen und ökonomischen Fachbereichen. Darüber hinaus ist die TU Berlin ein attraktiver Standort zum Studieren und Forschen – auch durch ihre Lage in der Hauptstadt. Dies spiegelt sich nicht zuletzt in der Internationalität der Studierenden wieder.

 

Fachschaftsteam:  Und was sind Punkte, die Sie gerne verbessern würden?

v. Hirschhausen: Nach wie vor müssen wir an der Verbesserung des Serviceniveaus der Lehre und in der Verwaltung arbeiten. Neben stärker international ausgerichteten Vorlesungen durch ein breiteres Lehrangebot in Englisch fallen mir die elektronische Prüfungsanmeldung für die Studierenden und die Modulverwaltung als Beispiele für Verbesserungen ein.


Fachschaftsteam:  Was hat sich seit Ihrer Studienzeit an der TU Berlin geändert?

v. Hirschhausen: Der größte Unterschied für mich ist, dass Berlin heute keine geteilte Stadt mehr ist und seit dem Fall der Mauer das Studium an der TU Berlin spürbar europäischer geworden ist. Darüber hinaus können die angehenden Wirtschaftsingenieure heute zwischen viel mehr angebotenen Studiengängen wählen. Eines ist jedoch gleich geblieben: die hygienischen Bedingungen der Herrentoiletten im Hauptgebäude. 

 

Fachschaftsteam: Angenommen, Sie wären heute nochmal 20 Jahre alt. Würden Sie wieder an der  heutigen TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen studieren wollen?

v. Hirschhausen: Ja.

 

Fachschaftsteam: Im Jahr 1988 haben Sie einen Master in Economics an der University of Colorado at Boulder gemacht, noch bevor Sie Ihr Wirtschaftsingenieurwesen Studium abgeschlossen hatten. War Ihnen zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass Sie eine akademische Laufbahn speziell in der Volkswirtschaftslehre einschlagen wollten?

v. Hirschhausen: Ein grundsätzliches Interesse für die Wirtschaftswissenschaften hatte ich bereits damals. Jedoch war zum damaligen Zeitpunkt und auch später eine Laufbahn in diesem Fachgebiet nicht planbar. 

 

 

Schnellfragen:

 

Fachschaftsteam                                                                                                                                     v. Hirschhausen:

Ein Arbeitstag beginnt für mich….

…mit einem Stück Obst im Sekretariat.

Mein Lieblingsort auf dem Campus…

…das Hauptgebäude

Mit 20 Jahren wollte ich…

…Hochschullehrer werden.

Es macht mich sauer wenn…

…ich die Studenten vor dem Imma-Amt und dem Servicecenter der GKWI warten sehe.

Wer es zu etwas bringen will, der…

…sollte Wirtschaftsingenieurwesen studieren.

Ich muss lachen wenn…

…ich bei meinem Bruder in der Show sitze.

Den Studenten rate ich…

…sich fachlich und extracurricular zu engagieren. So wie Sie (die Interviewer).

 

Fachschaftsteam: Herr von Hirschhausen, vielen Dank für das aufschlussreiche Interview. Wir wünschen Ihnen auch weiterhin alles Gute.

 Das Interview führten Julia Römer, Florian Steinberg und Kay Tidten.