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Prof. Dr. Frank Heinemann

Prof. Dr. Frank HeinemannProf. Heinemann (Jahrgang 1961)leitet seit April 2006 das Fachgebiet Makroökonomie und ist den meisten Studenten mindestens von der Grundstudiums Veranstaltung AVWL 2 - Makroökonomie bekannt.

Die Forschungsschwerpunkte sind im Zusammenhang mit der derzeitigen Finanzkirse brandaktuell - Grund genug für uns, eine fundierte Expertenmeinung zu dem Thema einzuholen!

 

 

 

Lebenslauf

 

1961

geboren in Düsseldorf

1968–1981

schulische Ausbildung in Düsseldorf und Erkrath, ausgedehnte Reisen und verschiedene Jobs

1982-1986

Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Bielefeld, New York University, Universität Bonn

28.4. 1989

Diplom

1989–1995


2.6. 1995

Wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Volker Böhm an der Universität Mannheim sowie von Prof. Heinz König an der Universität Mannheim
Promotion zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften (Dr. rer. pol.)

1995-2001

2.5. 2001

Wissenschaftlicher Assistent von Prof. Gerhard Illing an der Goethe-Universität Frankfurt am Main
Habilitation und venia legendi für Volkswirtschaftslehre

2001

Forschungsaufenthalt an der London School of Economics

2001-2006

Oberassistent (C2) am Seminar für Makroökonomie der Ludwig-Maximilians-Universität München

2003-2004

Vertretung der Professur für Wirtschaftstheorie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main

2005

Forschungsaufenthalte in Universidad Carlos III, Madrid, sowie beim Max-Planck Institut zur Erforschung von Wirtschaftssystemen in Jena

2005

Vertretung des Lehrstuhls für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Makroökonomik und Wirtschaftspolitik an der Universität Mannheim

2005-2006

Vertretung des Lehrstuhls für Finanzwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München

Seit 1.4.2006

Professur für das Fachgebiet Makroökonomie an der Technischen Universität Berlin

März 2008

Forschungsaufenthalt, Ludwig-Maximilians-Universität München

 

Ein Arbeitstag in der Uni beginnt für mich mit… 
…  dem Lesen von E-Mails.

An der TU Berlin stören mich…
… eine zum Teil überbordende Bürokratie, die so ziemlich alles auszubremsen versucht, was ihren Mitarbeitern die Abkehr von alten Routinen abverlangt.

Mit 20 Jahren wollte ich…
… ein wissenschaftliches Studium absolvieren, um anschließend eine verantwortungsvolle und wohlfahrtssteigernde Tätigkeit auszuüben (auch wenn ich das damals anders formuliert hätte). 

Es macht mich sauer, wenn…
…  Studierende glauben, dass eigenständiges Studium, Lesen sowie Vor-und Nachbereiten des Stoffes nicht nötig sind.

Wer es zu etwas bringen will, der… 
… sollte frühzeitig Initiativen ergreifen, sich für andere einsetzen, und sich fachliche Kompetenzen erarbeiten.

An der TU Berlin gefällt mir…
… die gute und breit angelegte Zusammenarbeit verschiedener Fachgebiete und die gute Möglichkeit zur Kooperation mit anderen Universitäten.

Ich muss lachen, wenn…
… (lacht) mir keine sinnvolle Antwort mehr einfällt.

Den Studenten rate ich…
… über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, nicht nur dieses minimalistische Prinzip zu verfolgen, sondern zu versuchen, das vielfältige Angebot der Universität wirklich zu nutzen.




Interview 

 

Fachschaftsteam: Hallo, Herr Professor Heinemann, und vielen Dank, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. Vielleicht zu Beginn gleich die Frage, die jetzt wahrscheinlich allen unter den Fingernägeln brennt: Was halten Sie denn vom zweiten Konjunkturprogramm der Bundesregierung?

Heinemann: Die Investitionen, die jetzt im Infrastruktur- und im Bildungsbereich getätigt werden sollen, wurden ja  genau so auch vom Sachverständigenrat im Herbst empfohlen. Das ist eine sehr gute Maßnahme, da sie konjunkturell wirkt, wenn die Ausgaben rechtzeitig getätigt werden, und da sie außerdem positive Wachstumseffekte auslösen kann. Es ist dabei sehr wichtig, dass die Ausgaben frühzeitig getätigt werden, auch wenn die Krise nun womöglich länger dauert, als wir zunächst vermutet hatten. Alles in allem ist das aber genau das richtige. Die Steuererleichterungen sind jedoch ein Rückschritt und nicht sonderlich sinnvoll. Denn Steuererleichterungen bewirken keine Wachstumseffekte. Im Prinzip wird hier eine Steuersenkung vorgezogen, das lässt sich vergleichen mit den Konsumgutscheinen, die die SPD im Dezember vorgeschlagen hatte, wobei so ein Konsumgutschein sogar wirkungsvoller gewesen wäre. Denn bei einer Steuersenkung wird das meiste Geld gespart, während man einen Konsumgutschein nur nutzen kann, indem man ihn ausgibt, und dies idealerweise kombiniert mit eigenem Geld. Das hätte also wesentlich stärkere konjunkturelle Effekte gehabt, als jetzt diese vorgezogene Steuersenkung.

Fachschaftsteam: Man hört ja in den Medien gigantische Zahlen von 50 Milliarden und mehr allein in der BRD, glauben Sie, dass so ein Volumen überhaupt ausreichen kann, oder ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Heinemann:  Ausreichend wofür? Um die Wirtschaft zu stabilisieren, sicherlich nicht. Das wird aber auch nicht möglich sein, egal mit welchem Volumen. Man muss jetzt sehen, ob man diese Ausgaben effizient unterbringen kann, und etwas Sinnvolles damit machen kann. Ich halte wenig von der Idee, Geld auszugeben, damit irgendwo Menschen Sand von einer Seite auf die andere schaufeln. Wichtig ist, dass das Geld sinnvoll ausgegeben werden muss, und das geht eben immer nur in einem gewissen Zeitrahmen, daher kann man hier auch nicht beliebig viel Geld reinstecken.

Fachschaftsteam: Für viele Studenten oder Zeitungsleser ist ja häufig verwunderlich, dass zwar alle Welt zur Zeit nur über die Krise spricht, guckt man sich jedoch die jüngsten Umfragen zum Konsumklima oder die Umsätze in der Weihnachtssaison an, so scheint die Nachfrage ja ungebrochen zu sein. Viele Menschen haben den Eindruck, dass diese Krise den Endkonsumenten gar nicht trifft. Kommt das noch?

Heinemann: Vermutlich ja. Konsumenten orientieren sich ja hauptsächlich am verfügbaren Einkommen, und das ist noch nicht zurückgegangen. Wir sehen jedoch schon die ersten Fälle von Kurzarbeit in Unternehmen, was bereits mit geringen Einkommenseinbußen verbunden ist. Wir werden aber vermutlich im Laufe dieses Jahres einen Anstieg der Arbeitslosigkeit erleben. Dies führt zu einem entsprechenden Rückgang der Kaufkraft, was dann auch den Konsum stärker betrifft. Im Augenblick ist vor allem die Exportnachfrage gravierend zurückgefallen. Der private Konsum wird hier mit einer deutlichen Verzögerung nachziehen, denn wenn die Industrie von heute auf morgen 30% weniger absetzt, wird sich dies auch irgendwann bei der Kaufkraft der Konsumenten bemerkbar machen.

Fachschaftsteam: Für den Laien stellt sich ja bei dieser Finanzkrise immer die Frage: Wo ist denn das ganze Geld hin, was vorher da war? Das kann doch nicht einfach so verschwinden. Können Sie das vielleicht mal kurz erklären?

Heinemann: (lacht) Man muss hier zunächst zwei Dinge unterscheiden: Ursache der Finanzkrise waren ja die Hypothekenkredite in den USA auf dem sogenannten „Subprime“ Markt. Das waren hochriskante Hypotheken an Schuldner, die die Hypothekenkredite gar nicht oder nur mit einer sehr geringen Wahrscheinlichkeit bedienen können. Diese Kredite sind teilweise ausgefallen, da die privaten Schuldner in den USA Konkurs anmeldeten. Dadurch ist das Geld erstmal weg, also verkonsumiert, und diejenigen Banken, die die entsprechenden Schuldtitel gekauft haben, müssen die Verluste abschreiben. Das andere sind die reinen Buchgeldbestände. Die Aktienmärkte haben ja weltweit Volumen von mehreren Billionen Euro verloren.  Das sind aber reine Buchbestände, denn die letzte gehandelte Aktie bestimmt den Marktpreis, der den Wert des gesamten Aktienbestandes bestimmt. Wenn nun eine Aktie zu einem Preis gehandelt wird, der 50% unter dem des Vorjahres liegt, dann ist der Buchwert des gesamten Aktienpaketes, das nicht gehandelt wird, natürlich auch um 50% gesunken. Das ist aber wie gesagt nur der Buchwert, denn die Aktien und die realen Werte, die dahinterstehen, sind ja immer noch da.

Fachschaftsteam: Trotzdem sprechen die Medien ja häufig von einer gigantischen Geldvernichtung.

Heinemann: Das ist so nicht korrekt, nicht das Geld verschwindet, lediglich die Buchwerte sinken.

Fachschaftsteam: Um mal zu Ihrer Veranstaltung Makroökonomie zu kommen, wie sehen Sie da die Motivation der Studierenden?

Heinemann: Für mich als Lehrenden ist dieses Semester fantastisch, weil die Studenten wahnsinnig interessiert und aufmerksam sind, sie sind diskutierfreudig, und es ist ein sehr gutes Feedback für mich, wenn die Studierenden mich ansprechen und mir sagen: „Genau das, was Sie letzte Woche in der Vorlesung besprochen haben, habe ich gebraucht, um heute den Wirtschaftsteil in der Zeitung zu verstehen.“ Da freue ich mich, denn genau das möchte ich mit dieser Veranstaltung im Grundstudium erreichen: dass die Studierenden im Anschluss daran in der Lage sind, die Hintergründe zu verstehen, wenn sie die Zeitung aufschlagen. Gerade jetzt bekomme ich viel Feedback, dass genau das passiert, und es scheint, dass die aktuelle Lage die Studierenden sehr motiviert, was erfreulich ist.

Fachschaftsteam: Sie hatten ja damals in Ihrer Antrittsvorlesung (Antrittsvorlesung_public.ppt) auch das Modell von Minski zum Entstehen von Finanzkrisen erläutert. Da  war es ja sehr verblüffend zu sehen, dass viele Dinge, die Sie damals noch vor der Eskalation der Finanzkrise prophezeit hatten,  wie beispielsweise die Bankenpleiten, die Refinanzierungsnot oder das Stocken des Kapitalmarkts aufgrund des mangelnden Vertrauens inzwischen tatsächlich nahezu 1:1 geschehen sind.

Heinemann: Ja, das ist in der Tat verblüffend, dass sich dieses Phasenschema in Krisen tatsächlich immer wieder bestätigt.

Fachschaftsteam: Man konnte fast eine aktuelle Zeitung neben Ihre Vorlesungsfolien legen und mitlesen.

Heinemann: Die Erscheinungsform der einzelnen Phasen ändert sich jedoch immer. Der Auslöser ist ja meistens irgendeine Blase, mal sind es Immobilienpreise, mal Aktienpreise oder Dotcom Companies. Das macht es ja auch so schwer, zu erkennen, wann so eine Blase überhaupt vorhanden ist, und vor allem, wann sie platzt.

Fachschaftsteam: Sie sind ja nun schon einige Jahre hier, wie ist denn Ihr Verhältnis zu Ihrem Vorgänger, Herrn Prof. Kromphardt?

Heinemann: Herr Prof. Kromphardt ist ja immer noch sehr aktiv, das bewundere ich sehr an ihm. Er hatte ja auch noch mehrere Jahre nach seiner Emeritierung die Lehre aufrechterhalten. Wir diskutieren gelegentlich über verschiedene Themen, das ist immer wieder interessant. Die Veranstaltungen haben aber natürlich einen etwas anderen Fokus  bekommen. Herr Prof. Kromphardt ist ja ein ausgewiesener Keynesianer, Keynesianismus ist aber eben nur eine der Wurzeln für das, was ich als moderne Makroökonomie bezeichnen möchte. Letztlich sind diese verschiedenen Richtungen wie Neokeynesianismus oder Neoklassik heute alle zusammen gekommen. Heutzutage bestreitet kein bedeutender Makroökonom mehr, dass Geld- oder Fiskalpolitik reale Effekte hat, was früher von Vertretern der Theorie rationaler Erwartungen bestritten wurde. Wir wissen jedoch inzwischen besser, welche Effekte Geld- und Fiskalpolitik haben, und können sie deswegen auch sinnvoll einsetzen.

Fachschaftsteam: Können Sie vielleicht die letzten Punkte noch einmal kurz erläutern?

Heinemann: Keynes hat ja zum Beispiel gesagt, dass eine Erhöhung der Geldmenge dazu führt, dass die Zinsen sinken, dadurch werden mehr Investitionen nachgefragt und auf diese Weise die Wirtschaft stimuliert und das Produktionsniveau ausgedehnt. Die moderne Sicht ist nun, dass dies für die kurze Frist eine adäquate Beschreibung ist, aber eben nicht  in der langen Frist,  denn man kann die Ökonomie eben nicht stärker ausweiten, als das Produktionsniveau es erlaubt.

Fachschaftsteam: Hat Keynes dazu nicht gesagt: „In the long run, we’re all dead.“?

Heinemann: (lacht) Ja, gut. Nur so lange ist es nun eben leider nicht, die Fristen hierbei sind wesentlich kürzer. Die Prozesse, die wir hier sehen, spielen sich im Zeitraum von zwei bis drei Jahren ab, und das ist ja schon sehr viel kürzer als die durchschnittliche Lebenserwartung.
In Bezug auf die Nachhaltigkeit ergibt sich aber eben ein deutlicher Kritikpunkt an Keynesianischer Geld – und Fiskalpolitik. Natürlich kann Geldpolitik das Produktionsniveau auf diese Weise kurzfristig erhöhen, sie kann es zwar auch wiederholen, aber damit geht auch ein Anstieg der Inflation einher. Ab Inflationsraten im höheren zweistelligen Bereich hat dies deutlich negative Effekte auf die Wachstumsraten. Und wir wollen ja keine Hyperinflation, genauso wenig wie eine überbordende Staatsverschuldung, womit wir bei der Fiskalpolitik anlangen. Die hat, wie wir wissen, auch reale Effekte, wobei hier insbesondere der zeitliche Rahmen umstritten ist,  da ja vom Beschluss der staatlichen Ausgabe bis hin zur tatsächlichen Tätigung der Ausgabe und weiterhin dann bis zum Entstehen der eigentlichen konjunkturellen Effekte viel Zeit vergehen kann. Diese deutliche Verzögerung bedeutet nun die große Gefahr, dass solche konjunkturelle Maßnahmen beschlossen werden, wenn sich die Ökonomie in einer Rezession befindet, aber erst wirken, wenn sie sich wieder erholt. Das hat zur Folge, dass die Konjunkturmaßnahmen des Staates mitunter prozyklisch wirken können, also die konjunkturellen Schwankungen eben noch verstärken. Viel wünschenswerter wäre aber ein Ausgleich eben dieser Schwankungen durch antizyklische Maßnahmen.
Aber um auf die ursprüngliche Frage zurückzukommen, das versuche ich ja den Studenten in meiner Vorlesung zu vermitteln, indem ich in der Veranstaltung sowohl kurze als auch lange Frist lehre, also Konjunktur- und Wachstumspolitik kombiniere. Und das ist eben ein anderer Fokus als bei Prof. Kromphardt, der sich ja doch größtenteils auf die kurze Frist konzentrierte.

Fachschaftsteam: In Ihrem Lebenslauf ist ja zu sehen, dass Sie sehr viel rumgekommen sind, wir sehen hier New York, Bonn, Frankfurt, London, München. Jetzt sind Sie ja in Berlin angelangt, gibt es denn etwas, was Sie an Berlin besonders schätzen, war das vielleicht sogar geplant?

Heinemann: Nein, planen kann man so was nicht, das hat sich eher so ergeben. Aber Berlin ist eine sehr schöne Stadt, und ich bin sehr froh hier zu leben. Berlin ist ja sehr lebhaft und besonders das vielfältige kulturelle Angebot gefällt mir sehr. Die Zusammenarbeit mit den anderen Forschungseinrichtungen hier in Berlin ist glücklicherweise auch sehr gut, was sehr gute Voraussetzungen für eine gute Lehre sind. Etwas vermisse ich allerdings die Berge, die habe ich in München doch schätzen gelernt.

Fachschaftsteam: Also „der Berg ruft“ im Winter?

Heinemann: Nein, ich bin kein Skifahrer, aber man muss ja kein Bergsteiger oder Skifahrer sein, um Berge schön zu finden (lacht).

Fachschaftsteam: Nun ist es ja sicherlich etwas Besonderes, einen Lehrstuhl für Makroökonomie an einer Technischen Universität zu haben. Wo sehen Sie da die besondere Herausforderung?

Heinemann: Eine Herausforderung ist sicherlich, die Studierenden für das Fach zu motivieren. Die meisten gehen ja wahrscheinlich doch eher an eine Technische Universität, weil sie an technischen Fächern interessiert sind. Und auch wenn Makroökonomie von allgemeinem Interesse ist, gehört es ja manchmal nicht zum Kern des eigentlichen Ausbildungsziel. Meine Hoffnung ist aber immer noch, dass vielleicht gerade diejenigen, die technisch interessiert sind, gerade in den formalen Methoden, also in der Mathematik, besser sind, als Studierende, die aus einem reinen gesellschafspolitischen Interesse heraus Wirtschaftswissenschaften studieren.

Fachschaftsteam: Ist das denn so?

Heinemann: Bisher habe ich das leider nicht so feststellen können, nein.

Fachschaftsteam: Die Tatsache, dass es an allen Berliner Universitäten Wirtschaftswissenschaften gibt, zeigt ja doch, dass es sich hierbei um ein gesellschaftlich sehr relevantes Themengebiet handelt. An der TU wurden jedoch vor einiger Zeit leider die Diplomstudiengänge BWL und VWL eingestellt – würden Sie sagen, dass die Wirtschaftswissenschaften manchmal unterschätzt werden?

Heinemann: Es ist natürlich sehr schade, dass wir unser Angebot hier an der Fakultät derart stark reduzieren mussten, allgemein würde ich aber trotzdem nicht von einer Unterschätzung der Wirtschaftswissenschaften sprechen, denn BWL und VWL haben ja meines Wissens nach immer noch die höchsten Studierendenzahlen (Anm.: im bundesdeutschen Durchschnitt). Das kann aber auch daran liegen, dass die Einkommensaussichten bei den Wirtschaftswissenschaften sehr gut sind, was vielleicht das Fach attraktiv macht. Schade finde ich hierbei jedoch, dass oftmals das wissenschaftliche Interesse bei den Studierenden sehr gering ist. Gerade im Hinblick auf das Studium habe ich leider häufig den Eindruck, dass die Studierenden ihren Aufwand minimieren. Also das ökonomische Prinzip haben die Studierenden –man muss ja in diesem Kontext sagen: leider – schon sehr gut verinnerlicht: Was bringt mir das, gerade im Hinblick auf Kosten und Nutzen.

Fachschaftsteam: Kann diese Aufwandsminimierung auch daran liegen, dass im Zuge der Bachelor/Master Umstellung die Zeit zum Lernen einfach begrenzt wird? Häufig hört man von Bachelor Studierenden, die unter dem Druck, ihr Studium schnell abzuschließen einfach keine Zeit mehr haben, anderen Interessen –gerade im universitären Umfeld- zu folgen.

Heinemann: Ja, das mag sein, wirklich überzeugend finde ich dieses Argument jedoch nicht. Inhalte der Studienordnung und der zeitliche Umfang stehen im selben Verhältnis im Bachelor heute, wie es vorher beim Diplom war. Nun haben beim Diplom die meisten Studierenden ja nicht innerhalb der Regelstudienzeit abgeschlossen, aber wenn die Studierenden die Zeit sinnvoll genutzt haben, um über die Minimalanforderungen der Studienordnung hinauszugehen, dann ist das ja sehr gut. Ich sehe es auch nicht so, dass es ein unbedingtes Muss ist, möglichst schnell mit dem Studium fertig zu werden. Möglicherweise hängt das ja auch mit der konjunkturellen Situation zusammen, wir haben ja schließlich noch nicht soviel Erfahrung mit dem Bachelor. Bis zum vergangen Jahr war die Arbeitsmarktsituation ja sehr gut, was vielleicht die Studierenden dazu angespornt hat, schnell fertig zu werden. Bei der jetzigen Entwicklung gibt es vielleicht schon bald den einen oder anderen Studierenden, der sich sagt: Die Arbeitsmarktsituation ist sowieso gerade nicht so gut, da kann es auch nicht schaden, wenn ich etwas länger an der Uni bleibe.

Fachschaftsteam: Und dann vielleicht auch mehr Interesse für das Angebot der Uni oder insbesondere Makroökonomie entwickelt?

Heinemann: Ja, warum nicht? Das würde mich sehr freuen.

Fachschaftsteam: Vor kurzem haben ja auch die Institutsratswahlen an unserer Fakultät stattgefunden. Wir wurden –für uns sehr erfreulich- von den Studierenden in sämtliche Institutsräte unserer Fakultät gewählt. Die Institute sollen ja jedoch nun nach dem Willen des Fakultätsrates aufgelöst werden, dem Dekan schwebt da eine „interdisziplinäre Struktur“ vor, wie kann so eine Untergliederung unterhalb der Fakultätsebene aussehen?

Heinemann: Wir wollen die Zusammenarbeit auf jeden Fall vielfältiger gestalten. Was wir brauchen, ist eine Zusammenarbeit der einzelnen Professoren und Fachgebiete auf fachlicher wie auch auf Lehrebene. Insbesondere die Zusammenarbeit in Forschungsfragen, also beispielsweise die Veranstaltung gemeinsamer Seminare, lässt sich ohne weiteres ohne institutionelle Rahmenbedingungen erreichen. Bei den Instituten geht es in erster Linie um die Außendarstellung, und die soll ja weiterhin so bestehen bleiben. Der Vorteil liegt darin, dass wir beispielsweise alle Volkswirte in einem Institut zusammenfassen können, und so auch für einen Außenstehenden schnell die Strukturen verständlich sind.

Fachschaftsteam: Im Fakultätsrat sind ja sämtliche Statusgruppen vertreten, in den Institutsräten war dies in der Vergangenheit auch so. Wenn die Institutsräte abgeschafft werden, kommt bei manchen Statusgruppen die Sorge auf, dass ihre Interessen in Zukunft weniger beachtet werden könnten. Ist es nicht auch unterhalb der Fakultätsebene wichtig, alle Statusgruppen, also Studierende und wissenschaftliche/sonstige Mitarbeiter in die Entscheidungen einzubeziehen?

Heinemann: Das ist ja gerade das Problem: Es gibt keine Entscheidungen auf Institutsebene. Formal hatten wir in der Vergangenheit die Absurdität, ein Gremium zu haben, dass formal zwar Entscheidungsbefugnis hat, jedoch faktisch keinen Entscheidungsspielraum. Somit braucht man auch kein Entscheidungsgremium. Es ist natürlich wichtig, sich zu unterhalten und untereinander abzustimmen, aber dafür wird eben kein Verwaltungsgremium benötigt. Alles, was durch den Fakultätsrat beschlossen wurde, ist die Abschaffung einer überflüssigen Verwaltungsebene ohne weitere Auswirkung.

Fachschaftsteam: Was natürlich bleibt, ist die Sorge der anderen Statusgruppen, bei zukünftigen Absprachen unterhalb der Fakultätsebene außen vor gelassen zu werden. Dahingehend könnte die Abschaffung der Institutsräte natürlich zu Missverständnissen führen, und die anderen Statusgruppen, uns Studierende eingeschlossen, wünschen sich ein Kommunikationsforum, um bei universitären Angelegenheiten mitreden zu können.

Heinemann: Das kann ich auch nachvollziehen, ich hatte ja auch immer wieder darauf hingewiesen, dass eine Abschaffung der Institute auch damit verbunden ist, dass die Institutsräte nicht mehr existieren, und damit auch die Repräsentanz der anderen Statusgruppen nicht mehr gegeben ist. Nun sind die Institute mit 5-6 Professuren ja hinreichend klein, dass man da auch andere Statusgruppen einbeziehen kann, auf eine informelle Art und Weise. Die Sitzungen sind ja in der Vergangenheit öffentlich gewesen, in der Zukunft wird sich sicherlich auch eine Möglichkeit geben, die anderen Statusgruppen entsprechend einzubeziehen. Wenn es da etwas gibt, was die Studierenden entsprechend einbringen möchten, sind sie natürlich herzlich eingeladen, das in so einer Gesprächsrunde zu tun. Wir möchten ja auch wissen, wo den Studierenden der Schuh drückt. Für uns ist es manchmal schwer festzustellen, ob an uns herangetragene Probleme nur Einzelmeinungen sind, oder auch die große schweigende Masse betreffen. Daher finde ich es sehr wichtig, dass Studierendenvertreter/innen wie beispielsweise das Fachschaftsteam versuchen, hier die Mehrheitsmeinung festzustellen und diese dann an uns herantragen.

Fachschaftsteam: Vielen Dank, auf das Angebot werden wir sicherlich zurückkommen. Wir wünschen Ihnen weiterhin alles Gute mit Ihren Veranstaltungen, bis zum nächsten Mal.

Das Interview führten Kay Tidten und Friedemann Dau.